FDP für Erhalt des Ingelheimer Krankenhauses

20 Mai

Der Ingelheimer Stadtrat beschäftigt sich seit Wochen mit der finanziellen Situation des Ingelheimer Krankenhauses.

Dabei kam immer neues Zahlenmaterial ins Spiel und immer neue Schätzungen, die sich z.T. widersprachen. Schließlich ein kaum mehr zu überschauender Wust von Informationen, deren Zweckdienlichkeit mehr der Interessenlage des Informanden als objektiver Information geschuldet zu sein schien.

Geführt wird das Ingelheimer Krankenhaus neben dem Insolvenzverwalter von mehreren Geschäftsführern. Bislang entstand der Eindruck, dass die genannten nicht immer die gleichen Grundsätze und Ziele verfolgten. Vielmehr sorgt die Vielfalt von Beratern und Geschäftsführern für eine erhebliche finanzielle Belastung der ohnehin insolventen Klinik. Zudem deutet sich hinter den Kulissen an, dass unnötige Investitionen getätigt wurden. Anscheinend fährt die Klinik mit Kosten, wie sie in der über 100-jährigen Geschichte noch nie dagewesen sind. Die Stadt Ingelheim hat diese bislang mit Krediten in Höhe von ca.2,5 Millionen aufgefangen.

Nach Meinung der FDP Ingelheim darf dies nicht so weiter laufen. Der derzeitige Zustand muss schnellstens beendet werden. Wir schlagen daher vor, das Klinikum in eine städtische Gesellschaft zu übernehmen. Nur so können wir die Situation erst einmal in Ruhe beurteilen und ein Konzept mit den vorhandenen Ressourcen entwickeln. Diese sind in Wahrheit besser als weithin dargestellt:
Das Gebäude ist nicht in marodem Zustand. Es finden sich derzeit neun Zweibettzimmer für immerhin 18 Patienten mit Nasszelle und nicht nur Vierbettzimmer mit Nasszelle auf dem Gang. Es gibt Planungen, wie insbesondere bei nicht voller Belegung kostengünstige Umbauten möglich sind. Das Problem der Sanierung des Trinkwasserleitungssystems wegen Legionellenbefalls, die mit 6 Mio. Euro angesetzt ist, scheint bis zum geplanten Neubau in Ingelheim-West aufschiebbar mit der bisherigen Handhabung mit Stilllegung von Totleitungen, Spülungen und Einsatz von Ultrafiltern. Das Haus hat drei gut ausgestattete OPs mit moderner Lüftungs-/ Heizungstechnik, Sterilissation und Instrumentalisierung. CT und MRT sind auf dem neuesten Stand. Digitales Röntgen und Sonographie sowie die Endoskopie sind relativ neu. Zehn Beatmungsplätze sind vorhanden.

Von großer Bedeutung sind vor allem aber die „human ressources“ Wir haben hochmotiviertes und kompetentes medizinisches Personal, einen erfahrenen Verwaltungsstab und eine zu 100 % funktionierende interne sowie externe Qualitätssicherung, auch mit guten Beurteilungen durch die Patienten. Nach unserer Vorstellung übernehmen wir die Klinik und führen sie zunächst konventionell wie bis 2019 weiter.

Gleichzeitig beginnen wir schon im alten Bestand mit dem Ausbau als intersektorales Gesundheitszentrum bzw. medizinisches Versorgungszentrum durch die Ansiedlung von Facharztpraxen und neuartige medizinische Angebote. Alternativ könnte man auch über die Implementierung eines Kreiskrankenhauses mit den dann zu erwartenden Fördermitteln nachdenken.

Wichtig ist der FDP Ingelheim, dass neben spezialisierten Praxen, für die Bevölkerung eine ambulante und stationäre Grundversorgung bestehen bleibt. Nicht jeder unkomplizierte Knochenbruch oder Appendix oder ein entgleister Zucker, eine Bluthochdruckkrise oder eine infusionsbedürftige Austrocknung, Allergie nach Bienenstich, Schnittverletzung oder leichte Verbrennung gehört in ein kostenintensives Krankenhaus der Maximalversorgung. Zumal die Notaufnahmen dort völlig überlaufen und hochdefizitär sind. Dies bedingt langsam auch ein Umdenken in der Politik.

Neben dem Fortbestehen der Zentralen Notaufnahme halten wir auch das Vorhalten eines Notarzteinsatzfahrzeugs für wichtig. Einmal wegen der schnellen Erreichbarkeit, zum anderen als Zubringer zum Krankenhaus. Die Hilfsfrist für Rettungsdienste in Rheinland-Pfalz ist mit 15 Minuten festgeschrieben. Eigentlich lässt sich das nur mit flächendeckenden Einsatzorten der Notarztfahrzeuge bewerkstelligen. Insofern sollten die 400.000 Euro jährlicher städtischer Zuschuss mit Land und Krankenkassen nachverhandelt werden.

Die voraussichtlichen Kosten für eine Übernahme sind nach wie vor strittig und variieren je nach Annahmen um mehrere Millionen €. Der aktuelle Liquiditätsbedarf bei Übernahme besteht mit Datum 17.05. bei 0,54 Mio Euro. Diese Chance sollten wir uns keinesfalls entgehen lassen. Nur durch Übernahme in eigene Trägerschaft können wir einen tatsächlichen Überblick gewinnen und ohne den jetzigen Zeitdruck zuverlässig planen.
Es werden dadurch zwar erhebliche Folgekosten auf die Stadt Ingelheim zukommen. Dabei sei aber erinnert, dass wir zu den 10 reichsten Landkreisen und Städten pro Kopf in Deutschland gehören und in der Stadt sehr erhebliche Rücklagen haben. Das Ingelheimer Krankenhaus hat seit vielen Jahrzehnten funktioniert und den Ingelheimer Bürgern und ihren Nachbarn gedient. Warum sollten wir es jetzt übereilt aufgeben?