Mehr Wohnraum für Ingelheim

28 Aug

Der Druck auf den Ingelheimer Wohnungsmarkt ist groß und Wohnen in Ingelheim extrem teuer, weswegen immer mehr Menschen ins Umland ausweichen müssen. Dort sind die Gemeinden kontinuierlich gewachsen sind, z.B. VG Nieder-Olm: ca. 20% Bevölkerungszuwachs in den letzten 20 Jahren, und wachsen weiter kräftig , z.B VG RheinSelz: Ausweisung von 58 Hektar Bauland in den nächsten 10 Jahren. Hingegen ist die Kreisstadt und Mittelzentrum Ingelheim stehen geblieben, laut Wikipedia von 25 840 Einwohnern im Jahre 2000 auf 25 010 Einwohner vor den Eingemeindungen in 2018 sogar geschrumpft. Der tägliche Pendlerüberschuss beträgt ca. 6 000 Menschen, die nach Ingelheim reisen, von denen viele gerne nicht nur hier im Stau stehen und die Großparkplätze füllen, sondern lieber dauerhaft in Ingelheim wohnen würden. Unter ökologischen Gesichtspunkten, Stichwort „Emissionsfreie Stadt“, ist dieser Zustand untragbar und widerspricht dem Klimaschutzkonzept.

Das GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung hat im Auftrag des Landkreises ohne Berücksichtigung eines Nachholbedarfs für Ingelheim einen Neubaubedarf von 1 600 Wohnungen ausgemacht. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das von der Stadt Ingelheim in Auftrag gegebene Wohnraumkonzept der Bulwiengesa AG von 2018, demnach sich der rechnerische Wohnungsbedarf (Neubau und Maßnahmen im Bestand) in Ingelheim ohne VG Heidesheim für den Zeitraum zwischen 2020 und 2035 in einer Größenordnung von 194 bis 68 Wohneinheiten im Jahr bewegt. Um dies auch nur annäherungsweise erfüllen zu können wird hier eine Wende hin zu mehr Wohnungsbau empfohlen, wobei als es als marktgerecht für Ingelheim angesehen wird, mindestens die Hälfte der neuen Wohnungen im Geschosswohnungsbau anzubieten. Bauhöhen von bis zu vier Geschossen seien in Abhängigkeit vom jeweiligen Baugebiet nachfragegerecht. Auf Grund dieser Ausgangslage und äußerst beschränkter Grundstücksressourcen sind daher auch kleinteilige Innenentwicklungsprogramme zu prüfen. Nichtsdestotrotz befinden sich im öffentlichen Raum zahlreiche 1 bis 1 ½ geschossige Bauten und werden auf Städtischen Grundstücken weiterhin eingeschossige Gebäude geplant (z.B. Kita Hundsweg).

Um hier zu einer Wende zu kommen hatte die FDP Fraktion bereits in der Stadtratssitzung am 21.10.2019 den Antrag gestellt, die Verwaltung möge überprüfen, inwieweit eine Aufstockung kommunaler Gebäude um weitere Geschosse möglich ist. Diese Bitte halten wir weiterhin aufrecht und fragen zudem an:

1. Besteht Einigkeit, dass die Schaffung von angemessenem und bedarfsgerechtem Wohnraum eine unabdingbare Maßnahme der Allgemeinen Daseinsvorsorge ist?

2. Schließt sich die Stadtverwaltung den geschilderten Wohnbedarfsermittlungen an?

3. Gibt es eine Planung zur Erschließung neuer Baugebiete?

4. Ist es richtig, die vorhandenen Flächen für Wohnraum im Rahmen eine nachhaltigeren Planung intensiver zu nutzen?

5. Gibt es Planungen zur Neu und Umgestaltung von Bebauungsplänen die dem dringenden Bedarf angepasst werden?

6. Welche der folgenden Vorschläge werden dabei als sinnvoll angesehen? – Genehmigungen zu Ausbau von Dachgeschossen, gegebenenfalls unter Anhebung des Kniestocks. – Genehmigungen zur Aufstockung von Wohn- und Geschäftshäusern – Erleichterung von Genehmigungen des Ausbaus von Scheunen zu Wohnräumen – Hinwendung zu verstärkter Geschossbauweise – Zukünftige Vermeidung Ein- und Zweigeschossiger Bauweise in zentralen Lagen und auf – Städtischen Grundstücken zur Ressourcenschonung. – Genehmigungen von „Hinterlandbebauung“, Errichten von Häusern in zweiter Reihe auf einem Grundstück (sog. Pfeifenkopfgrundstück) – Wohnförderprogramme für umzugswillige Senioren um Familien Platz zu schaffen.