Gedenken an Dr. Martin Mohr

14 Aug

In diesem Jahr erinnern sich die Liberalen des 150. Todestags von Dr. Martin Mohr.

Der gebürtige Hunsrücker lebte seit 1834 in Ober-Ingelheim und gehörte dem ersten freigewählten gesamtdeutschen Parlament, das 1848 in der Frankfurter Paulskirche zusammentrat, als Abgeordneter an. Dort kämpfte er für eine republikanische Verfassung – eine Vorstellung, die nicht im Sinne der damals Herrschenden war. Die anfängliche Euphorie der in Frankfurt versammelten Abgeordneten wich bald der Ernüchterung über die Schwierigkeiten, in den zentralen Fragen Kompromisse zu finden. Dennoch gelang zum Beispiel die Verabschiedung eines Katalogs von Grundrechten, die sich teilweise in gleichem Wortlaut im 100 Jahre später verabschiedeten Grundgesetz wiederfinden. Selbst ein Verfassungs-Kompromiss wurde gefunden, der aber nicht umgesetzt wurde. Viele der demokratischen Idealisten resignierten und verließen Frankfurt, bis dem verbliebenen Rest schließlich sogar das weitere Tagen in der Paulskirche untersagt wurde. Als „Rumpf-Parlament“ wollten sie – darunter auch Mohr – in Stuttgart weiter beraten, was ihnen mit Waffengewalt verwehrt wurde. Einige schlossen sich daraufhin den Aufständen in Baden und in der Pfalz an, die jedoch schnell niedergeschlagen wurden. Mohr hatte sich nicht den Aufständischen angeschlossen – mit seinem Eintreten für eine parlamentarische Demokratie riskierte er dennoch eine Verurteilung wegen Hochverrats, worauf damals die Todesstrafe stand. Einige Monate war er im Mainzer Eisenturm eingekerkert, bis er schließlich freigesprochen wurde.

Eine Ingelheimer Schule trägt heute seinen Namen („Präsident-Mohr-Schule“).
Mohr
Vertreter der Ingelheimer FDP gedachten des „vergessenen“ Liberalen an seinem Ehrengrab auf dem Ober-Ingelheimer Friedhof an der Burgkirche und legten dort ein Gebinde nieder. Der Kreisverband Mainz-Bingen lud wenige Tage später zu einer Gedenkveranstaltung in das nahegelegene Gemeindehaus der Burgkirchen-Gemeinde ein, bei der unser Mitglied und „Liberalismus-Forscher“ Dr. Michael Lerch in einem Vortrag noch einmal das Leben jenes Mannes Revue passieren ließ, den die Liberalen zu ihren frühen Vordenkern zählen.
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Aus der PowerPoint-Präsentation von Dr. Lerch hatten Schülerinnen und Schüler der Präsident-Mohr-Schule wertvolle Anregungen für die von ihnen gestaltete Feier zu Ehren ihres „Namens-Patrons“ gewonnen. Im Rahmen dieser Feier, an der Dr. Lerch als einer der zahlreich erschienenen Ehrengäste teilnahm, stand er einer der dritten Klassen als Gesprächspartner zur Verfügung, den die Kinder mit großer Wissbegierde über die spannende Zeit „ausquetschen“ konnten, in der sich demokratische Strukturen in Deutschland ausbildeten.

Für den Herbst kündigt Kreisvorsitzender Jörg Berres den von vielen Mitgliedern gewünschten „Liberalen Ausflug“ nach Frankfurt an, wo in der Paulskirche die Dauerausstellung zu dem 1848 unternommenen Versuch der Etablierung einer parlamentarischen Demokratie besucht werden soll.